Dezember 9th, 2016 by DR_vip

weg-1200pxJeder einzelne deiner fünf Sinne bringt dich voran und hilft dir beim Lernen einer Fremdsprache. Und zwar nur zusammen! Häufig wird das Sehen damit das Lesen über alles gestellt. Aber das macht dich einseitig.

Zu einer meiner Sprachcoaching Sitzungen  kam eine Schülerin. Sie war bienenfleißig. Sie schrieb jede Vokabel auf, machte zig Übungen zur Grammatik. Alles schriftlich. Seit zwei Jahren paukte sie auf diese Weise spanisch. Frustriert und mit der Absicht, das Spanisch lernen an den Nagel zu hängen, wollte sie einen letzten Versuch starten. Systematische Grammatikübungen machte sie bravurös. Sagte ich etwas auf Spanisch zu ihr, zuckte sie zusammen, verlor sich und verstand vor Schreck nichts. Klar, dass sie frustriert war, denn ihr Ziel war es, sich auf Spanisch verständlich machen zu können. Das geht mit Grammatikzetteln nicht. Denn verständlich machen bedeutet vor allem sprechen. Sie hatte zwar einen Berg theoretischen Wissens in ihrem Hirn angehäuft, aber halt nur einseitig. Sprechen, hören und vor allem experimentieren waren völlig untrainiert.

Am besten ist es, alle fünf Sinne von Anfang an mit einzubeziehen. Natürlich kannst du deinem „Lieblingssinn“ dabei den Vorrang geben. Vor allem am Anfang sind viele – mich eingeschlossen – auf das Visuelle angewiesen. Ich kann mir Laute lang nicht so gut merken wie Wörter, die ich geschrieben sehe. Trotzdem ist es wichtig, von Anfang an möglichst alle Sinne mit einzubeziehen. Es macht nichts aus, wenn du das Gehörte nicht verstehst. Für mich hörte sich Russisch am Anfang frustrierend unverständlich an. Aber genau darin besteht der Trick. Da ich sowieso nicht davon ausging, etwas zu verstehen, konnte ich mir russische Audios ganz entspannt anhören, ohne den Gedanken, doch etwas verstehen zu müssen.

Das sieht bei unseren „Lieblingssinnen“ ganz anders aus. Obwohl ich es gewohnt bin, mir Bilder schnell einprägen zu können, wurde ich beim Russisch-Vokabeln lernen eines Besseren belehrt. Ich konnte – und kann – mir diese Symbolkonstrukte nur schwer merken. Schnell ist dann das Frustniveau erreicht, wenn nach dreimaligem Durchlesen der Vokabeln keine einzige hängenbleibt. Genau da sollten die anderen Sinne nicht unterschätzt werden. Statt entnervt das Vokabelheft wegzulegen, einfach das Audio anmachen, zuhören und dem Hörsinn die Arbeit überlassen. Musik eignet sich dabei fantastisch, denn es ist doch einfach herrlich, schöne Lieder zu hören. Und da es herrlich ist, sind wir gutgelaunt und gutgelaunt lernt es sich viel effektiver.

Die visuelle und auditive Wahrnehmung sind beim Sprachen lernen sicherlich die wichtigeren Sinne, aber auch Riechen, Schmecken und Tasten können zum Lernerfolg beitragen. Zwar brachte ich bei meinem ersten Besuch in einem russischen Café keinen Satz heraus, aber der Kellner war so freundlich, der bestellte Tee roch und schmeckte so köstlich, dass ich nach diesem Kaffeebesuch tatsächlich etliche Vokabeln aktivieren konnte. Gegenstände anfassen und deren Namen vor sich hin murmeln bringt häufig auch mehr, als das Wort nur auf dem Papier  zu lesen.

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